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Besichtigung des Kleinwasserkraftwerk Herrenmühle

9. Aug.
4 Min. Lesezeit

Das Kraftwerk und unsere Gastgeber

In der Herrenmühle vor der Pielachmündung wird seit 1912 Energie mit einem Kleinwasserkraftwerk erzeugt. Die Mühlenpächter, Maria und Jost, welche hier mit viel Herz und Engagement für eine freundliche Atmosphäre und ein funktionsfähiges Werk Sorge tragen, öffneten dem Bürger*innenKRAFTwerk ihre Türen und sorgten bei vielen der zahlreichen Teilnehmer*innen für ein unvergessliches Erlebnis.

Gleich beim Eintreten wurden wir "Weltoffenen KRAFTwerker*innen" am 7. August vom Gastgeber begrüßt und herzlich zur Exkursion in die Herrenmühle eingeladen.
Besucher*innen am Foto vereint

Das Kraftwerk, welches aufgrund des Niedrigwasser bereits seit einigen Wochen keinen Strom produzieren kann, wurde im Rahmen der Besichtigung eindrucksvoll gestartet und wieder heruntergefahren. Dadurch war es für die zahlreichen Teilnehmer besonders faszinierend zu erleben mit welchen Kräften hier das Wasser die Maschinen in Bewegung setzt und mit welcher ausgeklügelter Mechanik diese in Zaum gehalten werden.

Im Kraftwerksraum, wo ausgeklügelte Mechanik die Kraft des Wassers leitet
Im Kraftwerksraum, wo ausgeklügelte Mechanik die Kraft des Wassers leitet

Zur Geschichte der Herrenmühle

Die alte 'Mühle zu Pylamund' ist ein Überbleibsel der kleinen Ortschaft Pylamund.

Nach der Überlieferung lebte an diesem Ort Elsa Plainacher, die im Jahr 1513 als Elisabeth Holtzgassner geboren und in Wien als einzige Hexe 1583 verbrannt wurde. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Plainacher)

Im Jahre 1562 wird sie die "Hofmühle an der Bielach“ genannt.

Jost steht neben dem Bannstein

Während der Belagerung von Melk durch die Truppen der protestantischen Stände im Jahre 1619 wurde sie gänzlich verheert.

Abt Thomas kaufte sie 1756 von der Müllerswitwe Cäcilia Elisabeth Ertl an das Stift zurück. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1863 ist sie abgebrannt.

Die Mühle, im Besitz des Stiftes Melk, beherbergte damals fünf Mühlräder.

Die Kraft der Mühlräder versorgten Mahlwerke für Getreide, eine Bäckerei, ein Sägewerk und eine Tischlerei ehe sie zu einem Elektrizitätswerk umgebaut wurde. Teile der Betriebe bestanden noch bis in die 1960er Jahre.

Im Mühlengebäude ist noch ein historischer Bannstein zu sehen. Dieser gewährte nach dem Handauflegen eine ordentliche Gerichtsbarkeit in welche die Müller eingebunden waren.


Der Mühlbach

Angetrieben wird die Mühle vom Wasser des Mühlbach, welcher an der Spielberger Wehr ausgeleitet und in einer großen Schleife am Rand der steilen Waldhänge zur Mühle geleitet wird. Unser Gastgeber erklärt, dass sich entsprechend der Strömung am Beginn noch grober Schotter in den Mühlbach bewegt. Nach und nach ändert sich der Grund in immer feineres Granulat bis am Ende fast nur noch Schlamm zu finden ist. Der Natur wird hier weitestgehend Raum gelassen. Zumindest ein mal Jährlich wird das Bachbett gesäubert und Hecken am Ufer gekürzt. Bäume die den Weg versperren werden mit Unterstützung der Forstabteilung des Stiftes entfernt, Wurzelstöcke aber belassen.

Auf der anschaulichen Fahrt am Bach gabs neben der wunderbaren Wasserlandschaft auch die Arbeit der Biber zu bestaunen die sich hier sichtlich wohlfühlen und ihren Holzvorrat für den Winter im Bachbett sammeln.

Der Mühlbach wurde mit einer Bootsfahrt so weit erkundet, bis der Weg von einer über dem Bach liegenden Erle versperrt war, welche sich tags zuvor entwurzelt hatte.

Nach dem Weg durch die Mühle, fließt dass Wasser zurück in die Pielach, die hier die Geologische Enge 'Pielamund' durchbricht und danach in die Donau mündet, wo die ca. 70 Kilometer lange Pielach endet.



Das Kleinwasserkraftwerk

In der Mühle bewegt die Kraft des Wassers seit 1912 eine Francis Schacht-Turbine, welche über Zahnräder und Riemen die Drehgeschwindigkeit für den Stromgenerator bereitstellt. Das Wasser durchfliest die senkrechte Turbine mit fast 4 Metern Höhendifferenz. Ein mechanischer Reinigungskamm sorgt zuvor dafür, dass keine grobe Gegenstände einfließen. Pro Jahr werden hiermit bis zu 400000 KWh Strom erzeugt.

Gestartet und gestoppt werden kann die Anlage einfach per Knopfdruck und an der Wand geben historisch anmutende Messgeräte Auskunft über die aktuelle Produktionsleistung.


Damit sich all die vielen Rädchen auch gut drehen und die Riemen gespannt bleiben bedarf es aber einer entsprechenden laufenden Wartung und der Beachtung vieler kleiner Details, denen sich Jost mit sichtlicher Begeisterung gerne annimmt.



Die jüngere Vergangenheit

Als Jost die Mühle vor 49 Jahren in Pacht übernommen hat, war das Objekt bereits dem Verfall preisgegeben. Dächer und Fenster waren desolat und der Mühlbach verschlammt. Mit technischem Wissen und viel Liebe an der alter Bausubstanz wurde die Herrenmühle in einen wundervollen Ort verwandelt der bis heute Technik, Kultur und Geschichte auf faszinierender Weise vereint.



Von Hochwasser nicht verschont

Wie so viele Gebäude am Wasser ist auch die Herrenmühle von Hochwässern nicht verschont. Besonders getroffen hat sie das Pielach-Hochwasser 2024.

Bis zur Laterne des Laternenmast reichte das Hochwasser 2024


Heute, fast 2-Jahre nach dem letzten Hochwasser sind die Zerstörungen fast restlos beseitigt. Der Garten zeigt sich wieder in voller Pracht und lädt zum verweilen ein und die zerstörte historische Flipper-Sammlung wartet auf ein 2.Leben.



Die Mühle als Ort der ständigen Veränderung

Im Sog der Zeit steht die Mühle aktuell wieder in einem großen Veränderungsverfahren. Die Eigentümer wollen mit einer modernen Turbine die Stromproduktion verdoppeln und Experten für den Naturschutz wünschen sich wiederum eine wesentliche Reduktion der Wasserdotierung und Herstellung einer für Fische angepassten Flusslandschaft. Insbesondere dem Huchen soll so der Lebensraum verbessert werden, welcher besonders an den Folgen von Trockenheit und wärmeren Temperaturen leidet. Da sich dieser Widerspruch hier repräsentativ für viele ähnlich gelagerte Objekte darstellt, zeichnet sich ein intensiver Klärungsprozess ab, der mehr als Wirtschaftlichkeit und Naturschutz zum Thema hat.

Nachwort

Als Verein Bürger*innenKRAFTwerk, dem sowohl erneuerbare Energie wie auch der Naturschutz ein großes Anliegen darstellt, sind wir sehr an einem ausgewogenen Diskurs interessiert, weil wir überzeugt sind, dass es für eine Energiewende ( weg von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbarer Energie ) einen Diskurs braucht, der darauf achtet, dass hier auch die Interessen der Natur gewahrt werden.











3 Kommentare

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Thomas Liska
05. Sept.
Mit 4 von 5 Sternen bewertet.

Das Stift Melk hat bereits die Modernisierung eingereicht und auch genehmigt bekommen.

Mit der neuen Turbine ist jedoch auch eine höhere Wasserentnahme aus der Pielach verbunden, ebenso die Erhöhung der Fallhöhe um 1m, was eine Vertiefung des Unterlaufes erfordert. Die Genehmigung wurde ohne Bedacht auf die Renaturierungsverordnung und ohne UVP seitens Stadt Melk erteilt und von RiverWatch sowie Lanius beeinsprucht. Die Fischstiege ist vom Huchen nicht benutzbar, die neue Turbine führt zum Flügelschlag und dem Töten von Jungfischen die durch die erhöhte Wasserentnahme vermehrt in den Mühlbach gezogen werden.

In Summe prallen hier also zwei Umweltschutzthemen aufeinander, letzter Laichplatz des vom Aussterben bedrohten Huchens vs. ermeuerbarer Energie.

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Wirtschaftsdir.Karl Edelhauser
08. Sept.
Antwort an

Sehr geehrter Herr Liska,

nur um keine Falschinformationen im Netz verteilt zu haben:

Es ist vom Stift Melk KEINE erhöhte Wasserentnahme aus der Pielach weder beantragt worden noch genehmigt worden und auch nicht tatsächlich beabsichtigt!

Es ist KEINE Eintiefung ("Vertiefung") des Unterlaufs vorgesehen - weder geplant, noch eingereicht, noch genehmigt - ist auch nach den Regeln der Physik nicht möglich, da Wasser bekanntlich nicht bergauf fließt, es aber müsste, um bei einer Eintiefung im Unterwasser wieder in die Pielach zurückfließen zu können! logisch?!

Es wurden und werden seitens des Stiftes Melk alle gesetzlichen und behördlichen Vorschriften sowohl im Betrieb wie im formalen Ablauf natürlich eingehalten (die "Stadt" Melk) ist übrigens hier in keiner Weise Behörde, auch das offensichtlich (bewußt?) schlecht…

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Erich Lagler
Erich Lagler
14. Aug.
•
eEG<eEG+Forscher*inZaunbetreuer*inKlimaritter*in
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

ein Danke an die Gastgeber

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